ZisserF

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Mähwerk der Zukunft: Kuh, Pferd und Gans

Erstellt von ZisserF am 7. Dezember 2015

weidetiereIch habe in den letzten Wochen zwei außergewöhnliche Landwirte getroffen. Beide stellen sich gegen die in den landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen kolportierten Credos, in denen die Ertragsoptimierung im Vordergrund steht. Beide stellen sich offen gegen die von der Landwirtschaftskammer vertretenen “Lehrmeinung” und Förderpolitik. Beide sehen ehrlich und aufrichtig die Natur als Partner, die es immer mehr zu schonen und zu schützen gilt, anstelle sie dauernd “über´s Ohr zu hauen”.

Der eine ist ein Schweinezüchter und Ackerbauer. Er prangert den sorglosen Umgang mit dem kostbarsten Gut in der Landwirtschaft an, dem Boden. Er bewirtschaftet seine Ackerflächen so, dass zu keiner Zeit des Jahres die Erde unbedeckt den Erosionen durch Wasser und Wind ausgesetzt ist und das geht auch. Zudem reduziert er die Bodenbelastung auf ein absolutes Minimum. “Es tut mir weh, wenn ich über den Acker fahre und unzählige Freunde unter der Erde damit vernichte. Die Würmer, Käfer und Mäuse, sind meine Verbündeten.” Die Erträge sind dabei nur geringfügig geringer als in der Insensivbewirtschaftung. An den Pranger stellt er neben der Lehrmeinung der Landwirtschaftsschulen, vor allem die Industrie, die landwirtschaftliche Maschinen und Geräte herstellt und diese auch möglichst vielzählig an den Mann/Frau bringen möchte. Dies gelingt unter der Verlockung, vermeintlicher Ertragssteigerungen. Verschwiegen wird, dass dabei auf lange Sicht die Böden unwiederbringlich kaputt gehen. Mit diesem Bewusstsein gehört er zu einer absoluten Minderheit unter den Landwirten. All zu viele lassen großmundigen Ankündigungen keine Taten folgen, sondern verstecken sich hinter dem Argument: Man müsse ja so intensiv wirtschaften um leben zu können, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können usw. – die Leier, die dem Konsumenten schon seit Jahrzehnten vorgejammert wird. Die Landwirtschaft ist dabei, den Konsumenten als Partner zu verärgern, anstatt ihn als notwendigen Verbündeten mehr an sich zu binden, wenn nicht endlich auf mehr ehrliche Nachhaltigkeit gesetzt wird.

Der andere Landwirt ist ein Viehzüchter.  Er produziert hochwertige Milch durch Kühe, die ausschließlich mit Gras und Heu, also Grundfutter gefüttert werden. Er setzt kein Kraftfutter ein, ebensowenig wie Künstdünger oder Spritzmittel. Die Milchleistungen der Kühe ist deutlich unter denen der “Spitzenkühe”, jener Spezies, die ohne dem massiven Einsatz von Antibiotika nicht auskommt. Antibiotika, die über die Milch auch die menschlichen Säuglinge bereits bekommen. “Jeder weiß dass, keiner bringt es auf den Punkt. Die Milch, für die die Landwirte nur mehr 40 Cent und weniger bekommen, ist auch nicht mehr wert.” Seine Kühe sind, so oft es geht auf der Weide. Die Arbeit auf der Weide wird jedoch auf ein Minimum reduziert. Sein Mähwerk der Zukunft sind Kühe, Pferde und bald auch Gänse. Diese drei Gattungen ergänzen sich auf der Weide optimal. Was der eine nicht frisst, frisst der andere. So können weiden ohne aufwendige Handarbeit über Jahre fruchtbar gehalten werden. Ja und eine Wiese wird bei ihm über Jahre nur schonend bearbeitet, ein Nachsäen, wie es die Fördergeber alle paar Jahre vorsehen, wird von ihm boykottiert. Der Boden braucht es nicht, wozu also, auch wenn dadurch eine Stange an Förderung verloren geht.  Eine Investition hat der Bauer allerdings schon seit vielen Jahren getätigt. Eine eigene Ballenpressmaschine. Nur damit kann er selbst auf die Stunde genau bestimmen, wann das Gras die geeignete Konsistenz und Trockenheit hat, bevor es zu Ballen gewickelt wird. Es ist ein großer Qualitätsvorteil, der daraus für die Milch oder das Fleisch der Almoochesen, die er auch züchtet, entsteht. Sein Vorwurf gilt in erster Linie der Kammer und den landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen. Sie bezeichnen seine Wirtschaftsform als zurückgeblieben. Er spricht von zukunftsweisend und um Jahr voraus.

Mich würde brennend interessieren, was die landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen zu diesen Vorwürfen zu sagen haben und wie die Landwirtschaftskammern dazu stehen. Vielleicht bekomme ich eine Stellungnahme dazu.

Als interessierter Konsument muss ich derweil meinen beiden Landwirten auf allen Linien recht geben. Landwirtschaft ohne Nachhaltigkeit geht nicht und Nachhaltigkeit mit Intensivlandwirtschaft gibt es nicht.

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In Jahrtausenden entstanden, in 3 Generationen zerstört: Ackerboden

Erstellt von ZisserF am 12. April 2015

Wir treten die Erde mit Füßen als ob sie unser Feind wäre. Das Geld ist uns Näher als die Mutter. Kostbarer Ackerboden braucht Jahrtausende bei der Entstehung. Wir beuten ihn in nur wenigen Generationen vollkommen aus, schlimmer noch, wir spülen ihn einfach weg oder lassen ihn vom Winde verwehen.

In meiner Kindheit  lief ich oft über eine riesig große Wiese. Dann wurde die Wiese geteilt und die eine Hälfte verpachtet. Der / die Bauern haben in der Folge fast immer nur Getreide, Mais oder Grünfutter intensiv darauf angebaut. Die Ackerfurchen verliefen immer in der vertikalen Richtung, sodass bei starkem Regen richtige Rinnsale entstanden und Boden weggespült wurde. Auch ohne Rücksicht auf die Bedeckung des Bodens wurde gewirtschaftet. Ein befreundeter Bauer sagte mir, dass man mit nahezu gleichem Ertragserfolg so wirtschaften kann, dass der Boden fast immer von Grün bedeckt ist und mann außerdem die Anzahl der Fahrten mit schwerem Gerät (Traktor) auch reduzieren kann um das Bodenleben zu schonen und Erosion von Boden einzudämmen.

Mit Traurigkeit sehe ich die vielen Feldmäuse jeden Frühling an denen sich Greifvögel und kleine Säugetiere laben und ihr Verschwinden ab dem Zeitpunkt, zu dem die großen Walzenreifen der Traktore den Boden und damit ihre Wohnungen plattdrücken. Wiesenbrüter wie der Kibitz sind vollkommen verschwunden, da ihre Brut keine Chance hat und extensive Wiesen Mangelware sind.

Zu den geteilten Wiesenhälften zurück. Heute ist zwischen der Wiese und dem Acker ein Höhenunterschied von einem Meter. Ein Kubikmeter kostbarer Ackerboden auf einem Quadratmeter Fläche innerhalb von 1 1/2 Generationen einfach wie beim Kloh “hinuntergespült”. Welch ein Fortschritt in der intensiven Landwirtschaft.

SAMSUNGEin Bach durch den mein Vater mit seinem ersten Auto gefahren ist, hat mittlerweile stellenweise eine Breite von 4 Metern und eine Tiefe von 2 Metern. Die Kröten, die im Frühling zu Tausenden von den Winterquartieren, den Erdlöchern in der Wiese über den Bach zum angrenzenden Teich gewandert sind um sich dort zu Paaren, die sind Geschichte. Wenn sie es von den Erdlöchern zum Bach schaffen, plumpsen sie hinein und sind damit gefangen und dem Tod preisgegeben. Die Wände der Ufer sind zu steil. Frösche kann man nicht zu Geld machen, sie sind bei uns keine Nutztiere, sie sind in den Augen so vieler “nutzlos”.

Wer füllt die zu Cannyons verkommenen riesigen Bachbette wieder auf? Wer verhindert die Hochwasserbildung? Wer stoppt endlich die Erosion von Erde?

Es gab doch beim Wald die Regelung in der Steiermark: Wenn 1 ha Wald gerodet wird, muss irgendwo 1 ha wieder aufgeforstet werden. Warum also auch nicht beim Boden: Wenn ein m² Boden versiegelt wird, muss irgendwo ein m² Versiegelung rückgebaut werden, das heißt zB durch Rückbauen von unzähligen parallel geführten Straßen, verschmälerung von Straßen, durch Rückbauen von Gehsteigen und Radwegen und Parkplätzen zu wasserdurchlässigen Split oder Steinoberflächen oder durch Abtragen von zu verfallen drohenden Häusern oder Gewerbebetrieben.

Ach ja und noch etwas: So wie der Wald für jedermann zugänglich sein muss, sollte auch jeder Bach und jeder See für jedermann zugänglich sein. Ein Uferstreifen von 2 bis 15 Metern, je nach Größe des Gewässers, sollte verstaatlicht, ja richtig gehört “der Öffentlichkeit einverleibt” werden um jedermann Zugang zu gewähren und um den Flüssen wieder mehr Raum zu geben um aus den Ufern zu treten und das mitgeführte Erdreich wieder abzulagern. Dem ständigen Diktat des freie Marktes müssen wir langsam beginnen entschlossen entgegentreten, wenn wir unseren Planeten nicht aufgeben wollen.

Manchmal denke ich mir wirklich, warum noch kein krankes Gehirn versucht hat die Luft zu privatisieren. Ich will´s nicht verschreien….

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