ZisserF

Nur Visionen bringen die Menschen voran.

  • (Werbung)

Vertrauen – Kontrolle

Erstellt von ZisserF am Freitag 5. Oktober 2012

In Zeiten, an denen die Nachhaltigkeitsdiskussionen einen Hype an Aktivitäten in allen Lebenslagen verursacht haben, das war vor 5 bis 10 Jahren, da war es auch für viele Klein- und Mittelbetriebe ein Gebot der Stunde, freiwillige Verhaltensregeln aufzustellen. Nachhaltigkeitsberichte wurden – und werden noch immer – erstellt. Das Bekenntnis zu nachhaltigem Agieren schrieb man in Firmenleitbildern und Unternehmensleitfäden nieder. Auch börsenotierte Unternehmen hefteten sich an ihre Fahnen CSR zu pflegen oder sich dem “Corporate Governance Kodex” zu unterstellen.

In der Erziehung der Kinder gilt ein Grundgesetz: Fördere deine Kinder, gib ihnen Anreize, verstärke ihr Tun positiv aber zeig ihnen auch ganz klar die Grenzen ihres Tuns. Der Volksmund sagt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Beim Geld speziell gilt sogar unter Freunden meist: Klare Rechnung, gute Freunde. Nun haben die Arbeiterkammer und die internationale Personalberatung Heidrick & Struggles Fakten auf den Tisch gelegt, wonach Österreichs börsennotierte Unternehmen in Europa Schlusslicht bei der Umsetzung von Corporate Governance sind, und das mit negativer Tendenz seit 2001. Vertreter der Börseunternehmen beharren nach wie vor auf der Freiwilligkeit in der Einhaltung solcher Regeln.

Für mich stellt sich die Frage, nach der Sinnhaftigkeit solcher freiwilligen Regeln, wenn sie nicht kontrolliert und eingefordert werden. Ich orte da wieder klare Marketingüberlegungen. Die Regeln sind sehr gut für das Image. Dumm nur, dass ab und zu publik wird, dass sie nicht befolgt werden. Warum geben sich Menschen in den Führungsebenen, die allesamt sehr viel Geld verdienen, gegenseitig so viel blindes Vertrauen und gegenseitige Beteuerungen, die Freiwilligkeit führe zum Ziel, wenn am Ende nachweislich nicht viel herausschaut. Ist es ihr Kalkül, die Außenwelt bewusst zu täuschen?

In Österreich ist, wie in vielen gut funktionierenden Demokratien, vieles in der Gesellschaft gesetzlich geregelt. Es gehört auch zu unserer Gesellschaft, dass sich die Menschen selbst Regelwerken unterwerfen. Warum habe ich den Eindruck, dass viele Regeln für Otto Normalverbraucher gelten und für Top Manager nicht? Ich weiß es nicht und finde dazu auch keine Studie, die diesen Eindruck belegen würde. Ich kenne viele unselbstständige Erwerbstätige, die fast zusammenbrechen unter der Last des Jobs. Die rasant steigende Zahl der Fälle psychisch Erkrankter am Arbeitsplatz, verstärken diese Empfindung. Diese Menschen haben es offenbar mit beinharten externen Regeln zu tun, so beinhart, dass sie darunter zu leiden beginnen. Gibt es derlei strenge Regeln für Top Manager nicht? Doch sie gibt es auch. Jeder Topmanager hat klare Vorgaben die die Eigentümer zu erreichen trachten. Der Unterschied liegt wohl darin, dass im einen Fall die Existenz bedroht sein kann und im anderen Fall schlimmstenfalls der Job weg ist und genügend Geld auf der Kante ist um mit bedeutend weniger Sorgen als im ersten Fall weiterleben zu können. Warum gelten dann gerade für die sog. Eliten nicht viel schärfere Regeln, bessere Kontrollen und klarere Konsequenzen? Warum erhalten die Eliten um so viel mehr Vorschusslorbeeren als der Durchschnittsbürger.

Nochmals anders verhält es sich, wenn man Menschen mit Firmen vergleicht. Was heißt: ein Unternehmen beschließt für sich ein Regelwerk freiwillig anzunehmen? Wenn die Regeln nicht eingehalten werden, wer ist dann dieser Herr Siemens, dieser Herr Wienerberger oder dieser Herr OMV, den man moralisch dafür verantwortlich machen kann? Hinter den Unternehmensaktivitäten stehen ja agierende Menschen. Ist das Unternehmen nur ein guter Schild hinter dem man sich als Einzelner verstecken kann? Ja, ich befürchte ja, zumindest in der Wahrnehmung von Außen. Viele Unternehmerentscheidungen werden getätigt, weil nach außen das Unternehmen sie fällt und nicht ein oder mehrere Menschen sie fällen. Eigentlich ein fatales System.

Warum haben Menschen die gut verdienen noch immer viel mehr Ansehen und Vorschussvertrauen in unserer Gesellschaft, als die meisten anderen Menschen? Warum definiert sich die überwiegende Zahl der Bevölkerung noch immer hauptsächlich über den Besitz und den Verdienst? Warum ist Frank Stronach für viele Menschen vertrauenswürdiger als eine erfolgreiche Hausfrau, Ehefrau und Mutter an der Armutsgrenze. Ganz einfach: Wer zahlt, schafft an – traurig, aber wahr. Dieser “scheinbare” Wert des Geldes ist allen anderen menschlichen Werten übergeordnet.