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Natur – Forderungen im Klartext

Erstellt von ZisserF am Dienstag 26. Februar 2013

Seit ich ein Kind war, ging ich zum Schwammerl Suchen. Mit den Jahren lernte ich manche Waldgebiete ganz besonders zu  lieben. Jeder Hohlweg, jeder Baum kommt irgendwann bekannt und vertraut vor. Manches Schwammerlplatzerl, glaubt man, gehört nur einem selbst. Ich habe in meinem Leben Menschen lieb gewonnen, Tiere und ganz besonders Waldstücke. Für mich ist die Natur und der Wald so etwas wie Luft. Ich brauche sie zum Leben. Vielleicht geben sie mir recht, wenn ich sage: “Die Natur gehört allen Geschöpfen, denn sie besteht aus allen Geschöpfen”.

Kürzlich war ich wieder im Wald, in einem meiner Lieblingswaldungen. Ich war schockiert. Ein “Harvester” (Markenname), so nennt man moderne Holzerntemaschinen auf 6 oder mehr Rädern mit massiven Stahlketten, hatte den Wald durchforstet. Zurück blieb eine Wüste. Kein Grün mehr, nur Erdfarben und graues ausgetrocknetes Nadelwerk. Die Hohlwege zugeschüttet mit Resten und totem Holz. Äste, klein- und mittelgroß geknickt und über den Boden zerstreut, sodass ein Durchgehen unmöglich geworden ist. Ich weinte, als ich “meinen” geliebten Wald sah. Gleichzeitig kam in mir eine Wut hoch, angesichts der Zerstörung die ich betrachtete. Ja, ich kenne die Argumente der Befürworter solcher Vorgangsweise nur allzu gut: Man muss mit der Zeit gehen. Anders ist die Waldwirtschaft nicht rentabel. Das ist gar nicht schlecht für den Wald, sondern sogar gut. Es wächst dann alles noch besser. Es ist Dünger. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Du kaufst ja auch Holzmöbel und Papier. Bla, bla, bla… Ich will diese Argumente der Marketinggurus und Geschäftsleute nicht hören. Ich will die Argumente der Natur hören, die mir einfach sagt: Schade. Ich möchte Anwalt der Natur sein. Aus, Schluss, Basta. Ich spreche jetzt Forderungen aus. Jeder kann mich mit Argumenten unterstützen oder dagegen sein.

Ich lebe in einer Demokratie und habe das Privileg meine Forderungen frei zu formulieren, was ich hier tue:
Ich bin für ein Verbot von Holzerntemaschinen ab einem gewissen Gewicht und in steilen Waldungen.
Ich bin gegen die Einzäunung von Waldstücken mit Zäunen, die Menschen nicht überwinden können (Tore, Türen, Leitern).
Ich bin für die Verstaatlichung aller Flächen rund um Berggipfel im Umkreis von mindestens 200m.
Ich bin für die Verstaatlichung aller natürlichen Seen und Gewässer in Österreich.
Ich bin für die Verstaatlichung und den freien Zugang zu allen See- und Flussufern in Österreich.
Jedes Seeufer sollte binnen 20 Jahren mindestens 20 Meter breit freigemacht werden und für jedermann öffentlich zugänglich sein.
Ich bin für den Rückbau unserer Bäche und Flüsse, für die Wieder – Schaffung verpflichtender Retensionsräume um vor Hochwässern nachhaltig zu schützen.
Ich bin für die Gewichtslimitierung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen pro cm² Bodendruck und Jahr auf unseren Böden.
Ich bin für die strenge Limitierung des Baues von neuen Forstwegen, sowie in steilerem Gelände für die Pflicht der Holzbringung durch Pferde oder Seilkräne und andere bodenschonende Verfahren.
Bestehende Waldwege müssen in kleinen Abständen mit Wasserableitungen und großen Sickergruben versehen werden.
Gerinne müssen weitestgehend unterbunden werden, die Versickerung von Oberflächenwasser muss den Vorrang bekommen.
Forstwege müssen jährlich auf Einhaltung von Wassersickermöglichkeiten hin übergeprüft werden und bei Bedarf saniert werden.
Neue Wohnsiedlungen müssen verpflichtend mit Regenwasser – Brauchwassersystemen ausgestattet werden (jede Gemeinde kann dies im Flächenwidmungsplan beschließen).
Für wasserdichte Bodenversiegelungen fordere ich einen sofortigen österreichweiten Stop.
Neue Flächenasphaltierungen oder -betonierungen dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn die selbe Fläche irgendwo in Österreich rückgebaut wird (Summe bleibt gleich).
Öffentliche Asphalt Parkplätze müssen durch wasserdurchlässige Rasensteine oder ähnliche Systeme bei Sanierungen ersetzt werden.
Durch Menscheinwirkung (Hoch, Tiefbau) verursachtes  Oberflächenwasser muss zu 80% zum Versickern gebracht werden.
Das fordere ich als Ziel für die nächsten 20 Jahre.
Für die Landwirtschaft fordere ich eine ständige Bedeckung der Ackerflächen durch Pflanzen, um die Bodenerosion hintan zu halten, sowie verpflichtende Fruchtfolgen.
Die maschinelle Saatrichtung muss schräg oder quer zur Neigung der Böden sein.
Begrünte Querdämme in normaler Richtung zum Gefälle (ehemals “Oniwandter”) müssen in bestimmten Abständen wieder eingeführt und gepflegt werden.
Die Zutaten aller Lebensmittel müssen vom Erzeuger der Rohprodukte bis zur fertig verpackten Ware für die Konsumenten nachvollziehbar gemacht werden.

Die Liste wäre fast unendlich lange fortsetzbar. Sie enthält regionale und nationale Aspekte. Die internationalen Zusammenhänge sind dabei ein vollkommen eigenes Kapitel, das zudem gleich vordringlich ist. Ich nehme mir vor, Dinge wieder mehr beim Namen anzusprechen und weniger als gegeben und unumstößlich anzusehen. Bleibt die Hoffnung, dass ich gehört werde und das die Politik, die darüber zu entscheiden hat keine Kompromisse anstrebt sondern Konsens!