ZisserF

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Fußnotenmarketing

Erstellt von ZisserF am Montag 1. Oktober 2012

Es ist zwar nicht legitim aber manchmal tut es trotzdem gut, in den Klischees, die manche Berufsgruppen bedienen, zu wühlen.  Mein neuestes Beispiel: Die Marketingleute. Meist Juppies um die 30, in Nadelstreif, Designerklamotten und ausgestattet mit neuester Technik was Kommunikationsgerätschaften betrifft.  Sie reissen die Welt nieder, sind Meister im gegenseitigen Übertrumpfen durch Coolness und scheinbarer Ideenvielfalt.  Sie agieren ohne Rücksicht auf Verluste. Weder die eigene Gesundheit, noch die der Anderen wird geschont. Die Ideen für Slogans, Plakate und Kampagnen müssen sich abheben von denen des Mitbewerbs. Es kann nicht ausgefallen genug sein. Der Kunde muss eingefangen werden, getäuscht und geblendet. Wenn seine Verwirrung dann groß genug ist, muss ihm so menschlich wie möglich (scheinbar) geholfen werden. Wie strebt mir dieses Klischee zuwider und doch wird es in meinen Augen immer noch zur Genüge bedient.

Auf eine besondere Marketingfeinheit treffe ich immer öfter in diversen Zeitungsinseraten. Meist geht es um Autos. In großen Lettern ist da ein Mittelklassewagen zu sehen der von den Buchstaben €9.990,- flankiert wird. Ein Wagen der gehobenen Klasse ist geschmückt mit € 19.990,-. Wie viele Menschen sehen den Preis, den Wagen und sie befällt ein gutes Gefühl. Das diese tollen Autos so extrem billig sind, beeindruckt. Nicht jeder will gleich kaufen aber für die nächste Kaufentscheidung in 1 oder 3 Jahren, muss man sich das merken. So geht das Kalkül der Marketing Schlaumeier auf. Ich schaue genau. Neben dem Preis ist ein fast nicht erkennbares Pünktchen. Eine Fußnote in kleinster Schrift, manchmal in Pastellfarbe, ziert den Rand des Inserates. Ich brauche dazu meine stärkste Lesebrille und viel Licht um den Text zu entziffern. Der gedruckte Preis ist nur der Betrag, der nach Abziehung einer Anzahlung bei Raten oder Leasingfinanzierung zu bezahlen ist oder der Preis beinhaltet dies und das noch nicht, ist Teil einer Superaktion, wenn sie das noch dazunehmen oder das zurückgeben usw. Ich will das Ganze gar nicht lesen und schleudere die Zeitung in  die Ecke, gleich neben dem Herd. Sie wird zum Anheizen gut genug sein.

Am Abend surfe ich im Internet. Ich suche nach Fotobüchern, um die Urlaubsfotos auch auf Papier zu bannen. Beim Internetauftritt eines namhaften österreichischen Elektronikfachhändlers werde ich gleich fündig. Ein A4 Fotobuch schon ab €7,95 wird dort beworben. Was, so günstig sind die schon, denke ich mir und habe das stabile dicke Fotobuch mit zwei Dutzend Blättern, das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, im Kopf. Ich mache mich schon daran zu überlegen welche Fotos ich aussuchen werde. Doch dann, wieder eine Fußnote. Diesmal suche ich vergeblich, ich finde keinen Text dazu, nicht auf dieser Seite, nicht durch Eingabe des Suchbegriffes “Fußnote”, noch durch Durchblättern aller Menüeinträge, die Fußnote führt nirgendwo hin. Vielleicht ist das auch eine bewusste Idee eines Marketingspezialisten um die Kreativität der Kunden anzuzapfen. Mich zipft es eher an und ich suche weiter. Ich folge dem € 7,95 Link und erstelle mein Fotobuch. Nach dem 12 Blatt mit 15 x 11 cm ist Sense, nichts geht mehr. Die Werbewelt besteht nur mehr aus Fallen, als Lug, Trug und Täuschung, bin ich versucht zu denken oder bin ich so dämlich und glaube wirklich, was mir offeriert wird. Schlauere und reichere Leute haben schon geglaubt, ihr Vermögen sei mit mehr als 10% Rendite vollkommen sicher angelegt. Allerdings haben hier manche Gerichte dann wohl entschieden, dass es sich um Täuschung der Konsumenten durch die Marketinggurus handelte. Hier bei einem Fotobuch, da ist das bestenfalls ein Kavaliersdelikt. Wir wären nicht in Österreich, würde uns das bekümmern. Mich tut es das schon.

Der Computer ist finster. Vor mir liegt die Rechnung meines Stromlieferanten samt freundlichem Begleitschreiben. Die Energiekosten haben wir senken können, steht es im Schreiben. Freude erblüht in meinem geschundenen Konsumentengesicht. Dann steht da noch etwas von einer gesetzlichen Verordnung, wonach jetzt irgendeine Gebühr die früher der Energielieferant verrechnet hat, jetzt vom Netzbetreiber verrechnet wird. Ich frage per Mail nach, was das zu bedeuten hat und erhalte am nächsten Tag die freundliche Antwort, wieder per Mail. Um es uns Konsumenten einfach zu machen, sind die Kosten der verschiedenen Unternehmen, die mit der Energielieferung betraut sind, auf einer einzigen Rechnung zusammengefasst. Die Kosten der Energie zB vom Verbund stehen dort ebenso auf der Rechnung wie die Kosten des Netzbetreibers zB der Feistritzwerke. Durch die erwähnte Gesetzesverordnung darf der Energielieferant (Verbund) weniger verrechnen, der Netzbetreiber (Feistritzwerke) darf mehr verrechnen. Für mich als Konsument ist es ein Nullsummenspiel. Ich zahle genausoviel wie vor dem freundlichen Schreiben mit der Energiekostenreduktion. Was für ein mieser Marketingtrick. Die Juppies verkaufen uns für dumm. Ich stelle mir vor, beim Kauf eines Autos eine Rechnung zu erhalten auf der unzählige Positionen draufstehen: die Karosserie, die Räder, der Motor, das Fahrwerk, der Lack oder die Innenausstattung. Wie toll, dass der Motor um 1000 Euro günstiger geworden ist, steht es auf den Plakaten und Inseraten in großen Lettern. Schade, dass sich das Fahrwerk um 1000 Euro verteuert hat, steht in der kleinen pastellfärbigen Fußnote.