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Der gute alte “Mehrwertsteuertrick”

Erstellt von ZisserF am Freitag 9. März 2018

Fritz 1Da bin ich wieder, Marketing Fritz. Mein neuer Auftraggeber ist diesmal der Elektronik Konzern Bledia Markt mit einem Anliegen, dass von vielen Konzernen immer wieder kommt. Er suchte meine Unterstützung um einerseits den Umsatz etwas anzukurbeln aber um andererseits wieder einmal den Staat als den Bösen und die Wirtschaft als die Guten herauszuarbeiten. Ein Inhalt nach dem Motte: Steter Tropfen beim Staat verunglimpfen höhlt den Stein und die meisten Kunden checken das ganze sowieso nicht.

So ging ich an die Sache heran. Als Werkzeug nahm ich den alten “Mehrwertsteuertrick”. Ich wollte vermitteln, dass Bledia Markt zu den Guten gehört, weil er ja sowieso immer den billigsten Preis anbietet, wäre da nicht der Staat, der zu den Bösen gehört, der in Form der Steuern das Produkt so teuer macht. Also rede ich den KonsumentInnen ein, sie können diese böse Steuer jetzt sparen, indem ich ihnen das Gerät um die Mehrwertsteuer günstiger gebe. Der Durchschnittsösterreicher denkt spontan dabei – als positiver Nebeneffekt – an 20% Rabatt, weil ja die Mehrwertsteuer 20% ausmacht. Wer aber in Mathematik beim % Rechnen aufgepasst hat weiß, dass die Ersparnis lediglich 16,6% ausmacht.

Die ganze Aktion ist primär keine Rabattaktion, sondern ein “Staat böse, ich gut” Beeinflussungsversuch. Die Perspektive ist langfristig. Jedes um wieviel Rabatt auch immer billiger gekaufte Produkt enthält natürlich noch immer die Mehrwertsteuer. Das ist bei jedem Verkauf so geregelt und natürlich auch da so. Mit Mehrwertsteuernachlass hat das alles nichts zu tun. Es ist ein reiner Rabatt, mit dem auch geködert wird, ganz billig und einfach. Bledia Markt gibt nur einen Rabatt auf den Bruttopreis, der so groß ist wie die Mehrwertsteuer (rechnerisch). Der Kunde bezahlt die Mehrwertsteuer eben dann im verringerten Bruttopreis mit.

Warum sagt der Konzern das nicht seinen Kunden? Muss ich ja nicht. Steht nirgends in einem Gesetz. Alles legal. Blöd werde ich sein und sagen, dass unsere Kalkulation so gut ist, dass ich davon den Rabatt locker geben kann. Das würde den Eindruck machen, dass ohne Rabatt die Preise zu hoch sind. Die Kunden würden das dann laufend erwarten. Wenn sie ihn nicht bekommen gehen sie zur Konkurrenz, was schon sehr schwierig ist, die gibt´s nämlich fast nicht mehr.

Der schwarze Peter wird externalisiert, jemandem anderen in die Schuhe geschoben, dem “bösen” Staat. Wir steigen gut aus, indem wir den Staat erniedrigen und uns dadurch erhöhen und den kleinen Schwindel mit der erlassenen Mehrwertsteuer machen. Altes Prinzip, funktioniert immer, solange die Kunden fleißig und kritiklos alles kaufen was wir ihnen vorsetzen. Übrigens viele Unternehmen und Interessensvertretungen in der Wirtschaft versuchen seit Jahren den Staat zu schwächen mithilfe immer wiederkehrender kleiner Sticheleien, oft knapp an der Legalität. Das es dabei um jene Steuer geht, die Österreich zu einem der reichsten und lebenswertesten Länder der Erde machen, ist mir egal. Die wohlhabenden im Land sind da drauf – so meinen sie – je eh nicht angewiesen.

 

(c) zisserf  –  Satire