ZisserF

Nur Visionen bringen die Menschen voran.

  • (Werbung)

Der T-Shirt Trick

Erstellt von ZisserF am Donnerstag 8. März 2018

Fritz 1Hallo, ich bin Marketing Fritz und habe neulich eine Anfrage von einem der ganz großen Textil-Handelshäuser bekommen. Sie haben mir ihr Leid geklagt, dass sie die verpflichtende Herkunftsbezeichnung ihrer Waren so stört. Alle Schmiergelder bei den entsprechenden Stellen haben bisher nicht gefruchtet. Die Herkunftsbezeichnung muss auf jedem T-Shirt oder Kleid oben stehen. Die Vorfälle in Bangladesch, wo das Gebäude einer großen Schneiderei einstürzte und viele ArbeiterInnen unter sich begraben hat, haben zu einer leichten Delle in der Bilanz geführt. Die Kunden machen die Kette mitverantwortlich für die Zustände in den Produktionshallen.

Ich habe kurz nachgedacht und folgenden Vorschlag gemacht. Wo die Herkunftsbezeichnung „Made in Austria“ stehen muss, ist nirgends festgelegt. Wir schreiben die Herkunftsbezeichnung auf einem ganz kleinen eingenähten Fähnchen. Auf dem großen Fähnchen mit der Zusammensetzung des Materials und den Wäscheempfehlungen drucken wir eine große färbige Österreichische Fahne und schreiben „Designed in Austria“. Die KundInnen kaufen jetzt wieder unsere Textilien weil sie ihnen gefallen, entsprechend teuer sind und aus Österreich, das glauben sie zumindest. Genau das wollten wir erreichen. Sie glauben sie kommen aus Österreich, dabei lassen wir sie nach wie vor in Bangladesch oder China, ganz ohne Umwelt- oder soziale Auflagen dort vor Ort, produzieren. Wir können sie aber aufgrund des „Designed in Austria“ Tricks so verkaufen, als wären sie wirklich aus Österreich. Na ja, ich kann nur sagen das wirkt sich auf den Gewinn sehr sehr positiv aus. Tja, so einfach ist es die dummen KundInnen zu überlisten. Mein Psychologie Studium mit Schwerpunkt Manipulationstechniken hat sich eben ausgezahlt.

 

Na ja, mal sehen für wen ich das nächste Mal als Marketing Fritz arbeiten kann.

 

(C) zisserf – Satire

 

Mose:
Warum schützt mich der Staat nicht davor, den Marketingschwindlern auf den Leim zu gehen? Heute habe ich ein recht teures T-Shirt im Kaufhaus gefunden. Es war aus hochwertigem Material – zumindest fühlte es sich so an – hatte aber auch einen sehr stolzen Preis. Mein schneller Blick auf die flatternden Fähnchen am Kragen zeigten mir eine deutsche Flagge und das Wort Germany. Voller Freude über die gute neue Errungenschaft wollte ich am Abend die flatternden Fähnchen mit einer Schere abschneiden, da sie manchmal am Hals kratzen. Vorher noch rasch die Wäscheempfehlung lesen. Da blieb mein Auge wieder kurz auf der Fahne und dem „Germany“ hängen. Da stand nicht „Made in Germany“ sondern „Designed in Germany“. Auf einem Minifähnchen fand ich in Minischrift „Made in Indonesia“. Ich kann mir genau vorstellen, wie die Marketingmenschen der Kaufhauskette die Idee ausgebrütet hatten. Sie sahen nicht das Problem der Sklavenarbeiterinnen in einsturzgefährdeten Industrieschneidereien im Inselstaat. Deren Problem waren die Kunden und Kundinnen die mit Abwehr gegen in Indonesien oder Bangladesch hergestellten Textilien zusehends reagierten. Keinen Augenblick dachten sie daran, dass an der Einkaufsstrategie des Hauses etwas geändert werden solle, das war auch nicht ihr Verantwortungsbereich. Sie waren zuständig für alles das, was den Umsatz und vor Allem den Gewinn erhöhen würde. Ihr Beitrag war die Idee den Kunden durch diesen Trick zum Kauf zu veranlassen und ihn in Sicherheit zu wiegen, dass alles in Ordnung sei. Mehr noch, den Kunden in Sicherheit und Selbstzufriedenheit zu wiegen endlich europäische Qualität, regional gekauft zu haben, den Schwindel aber natürlich nicht erkennbar zu machen. Die Kunst dieses Bravourstück zu vollbringen ist einerseits die Tatsache, dass im Marketing alle Register der Erkenntnisse aus der Psychologie schonungslos angewendet werden und als Unterstützung immer größere Rechtsabteilungen darüber wachen, dass die Gesetze elegant umschifft werden oder zumindest bis auf das allerletzte ausgereizt werden. Für mich ist das eine Milchmädchenrechnung. Gesetze werden von wenigen Beamten und PolitikerInnen verfasst. Marketing wird von Tausenden Spezialisten in Tausenden Unternehmen gemacht. Wer hat da wohl die besseren Karten, der Gesetzgeber oder die Marketingmaschinerie? Für mich wohl ganz klar die Wirtschaft.

Für mich ist es ein T-Shirt. Für den Konzern sind es Millionen T-Shirts.

 

Warum schützt die indonesische Arbeiterin und mich mein Staat nicht vor solchen Betrügereien durch gezielte Manipulation? Wir alle müssen immer öfter beginnen diese Frage zu stellen.