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Nur Visionen bringen die Menschen voran.

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Das Handtuch

Erstellt von ZisserF am Mittwoch 7. März 2018

HandtucnhWir Menschen bezeichnen uns gerne als jene Wasen, die nicht nur von Instinkten motiviert handeln, sondern auch mit Einfühlungsvermögen, Hirn und sozialer Kompetenz. Der seit Jahrzehnten anhaltende Trend zum individuellen Handeln, zum persönlichen Verwirklichen und zum Credo des „alles ist erreichbar“, hat viel an Empathiefähigkeit, sozialer Wärme und gesundem, gewissensmotiviertem Tun verkümmern lassen.

Bei einem berufsbedingtem Hotelaufenthalt teilte ich das Zimmer mit einem netten Kollegen. Am ersten Tag bemerkte ich, dass nur ein Badetuch und ein Handtuch vorhanden war. Ich verwendete das Handtuch, mein Kollege das Badetuch. Am zweiten Tag sah ich eine sehr freundliche Reinigungsfrau, wie sie nacheinander die Räume putzte. Ich meldete mich höflich bei ihr, mit der Bitte in unserem Zimmer einen zweiten Satz Tücher zu deponien, da wir zu zweit das Zimmer belegen. Sie entschuldigte sich vielmals in gebrochenem Deutsch. Es sei ihr Fehler gewesen und sie werde das sofort ergänzen. Nach meiner Zusicherung, dass dies kein Problem sei und nicht tragisch, lächelte sie und lächelte ich. Die Freude über meinen freundlichen Hinweis war ihr anzusehen.

Ich möchte den zweiten Fall meiner Reaktion auf das fehlende Tuch nicht beschreiben, in dem ein trockener Anruf an der Rezeption zwar das gleiche Endergebnis gebracht hätte, dazwischen jedoch anstatt zweier Lächeln, strenge Blicke, Zurechtweisungen, Druck, Stress, vielleicht sogar negative Konsequenzen für die Reinigungskraft die Begleiterscheinungen gewesen sein könnten.

Empathie ist Sanftheit im Handeln und Freundlichkeit in der Sprache. Nur Menschen die sich auch zurücknehmen können geben den Spielraum für empathisches Handeln.

 

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