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Musical Mozart – Revival in Wien

Erstellt von ZisserF am Samstag 17. Oktober 2015

mozartAn Opern wird keine Note verändert, für Musicals gilt das leider nicht. Das Gesamtresume des neuen “Mozart” Musicals im Raimundtheater kann man am Besten umschreiben mit – getuned und getrimmt auf mehr Zuseher. Die Qualität hat darunter eindeutig gelitten.

Zu den Details – Inszenierung: Die farbigen barocken Kostüme sind goldig-silbrigen eher farblosen und vielen schwarz – weißen einfachen Roben gewichen. Das Bühnenbild einfacher, vieles nur angedeutet, kein barocker Prunk, einfachste aber perspektivisch sehr gelungene projezierte Bilder auf gerader Leinwand, minimaler Technikeinsatz – von der Drehbühne abgesehen; der Sparstift wurde offenbar zum Zwecke der Minimierung der Kosten ordentlich angesetzt. Aus dem Zirkuswaagen der Weber´s ist – unnötigerweise – ein blumiger VW Bulli der 68iger geworden.

Musik: Die markanten, eckigen, schärferen und recht verschiedenen Arrangements der ersten Produktion sind fast zur Gänze dem typischen Einheitsbrei- Musicalsound gewichen. Die breiten Streichermischungen mit unscharf hinterlegten Bassautobahnen prägen die ständig aus Crescendo und Decrascendo bestehenden Sequenzen. Es fehlen Biss und Vielfalt. Einige markante Stellen wurden geopfert und durch neue Lieder ersetzt, die allesamt Durchschnittskost sind. Schade, dass ein gutes Musical nicht ebenso gegen allzugroße Veränderungen in den Partituren geschützt ist wie eine klassische Oper.

Der Cast: Sie bieten eine passable Leistung, gehören zu den Profis im Metier. Einzig Mozart schwächelt phasenweise ein wenig. Er ist über lange Phasen nicht in seiner Rolle. Seine weißen Kostüme und die Frisur sind gewöhnungsbedürftig. Er bewegt sich wenig variantenreich, schüttelt seinen kleinen “Mozart” immer wieder am Arm und kommt bei weitem nicht an die Größe seines Vorgängers Yngve Gasoy-Romdal aus 1999 heran.

Dramaturgie: Aus dem abwechslungsreichen Panorama des Lebens von Mozart ist eine reduzierte Story geworden in der Mozart am Ende weniger als Genie über allem schwebt, sondern eher als gescheiterter zwischen den Beziehung zu Mutter, Vater, Nannerl, Constanze und dem Grafen hervorgeht. Zu viel düstere Theatralik. Die Handlung klebt förmlich fest, auch immer wieder eingespielte Originalmusik – man sollte es kaum glauben – ändert nichts an der inhaltlichen Einbahnstraße aus Konflikten, Psychosen und sogar Anfällen von Wahnsinn. Sogar Constanze verschwindet flugs aus seinem Leben, kaum ist sie aufgetaucht.

Mir wird es mit dieser Inszenierung so gehen. Sie wird verschwinden. Bleiben wird – als eines der besten Musicals, die ich jeh erlebt habe “mein” Musical Mozart aus der Inszenierung von 1999 bis 2001.