ZisserF

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In Jahrtausenden entstanden, in 3 Generationen zerstört: Ackerboden

Erstellt von ZisserF am Sonntag 12. April 2015

Wir treten die Erde mit Füßen als ob sie unser Feind wäre. Das Geld ist uns Näher als die Mutter. Kostbarer Ackerboden braucht Jahrtausende bei der Entstehung. Wir beuten ihn in nur wenigen Generationen vollkommen aus, schlimmer noch, wir spülen ihn einfach weg oder lassen ihn vom Winde verwehen.

In meiner Kindheit  lief ich oft über eine riesig große Wiese. Dann wurde die Wiese geteilt und die eine Hälfte verpachtet. Der / die Bauern haben in der Folge fast immer nur Getreide, Mais oder Grünfutter intensiv darauf angebaut. Die Ackerfurchen verliefen immer in der vertikalen Richtung, sodass bei starkem Regen richtige Rinnsale entstanden und Boden weggespült wurde. Auch ohne Rücksicht auf die Bedeckung des Bodens wurde gewirtschaftet. Ein befreundeter Bauer sagte mir, dass man mit nahezu gleichem Ertragserfolg so wirtschaften kann, dass der Boden fast immer von Grün bedeckt ist und mann außerdem die Anzahl der Fahrten mit schwerem Gerät (Traktor) auch reduzieren kann um das Bodenleben zu schonen und Erosion von Boden einzudämmen.

Mit Traurigkeit sehe ich die vielen Feldmäuse jeden Frühling an denen sich Greifvögel und kleine Säugetiere laben und ihr Verschwinden ab dem Zeitpunkt, zu dem die großen Walzenreifen der Traktore den Boden und damit ihre Wohnungen plattdrücken. Wiesenbrüter wie der Kibitz sind vollkommen verschwunden, da ihre Brut keine Chance hat und extensive Wiesen Mangelware sind.

Zu den geteilten Wiesenhälften zurück. Heute ist zwischen der Wiese und dem Acker ein Höhenunterschied von einem Meter. Ein Kubikmeter kostbarer Ackerboden auf einem Quadratmeter Fläche innerhalb von 1 1/2 Generationen einfach wie beim Kloh “hinuntergespült”. Welch ein Fortschritt in der intensiven Landwirtschaft.

SAMSUNGEin Bach durch den mein Vater mit seinem ersten Auto gefahren ist, hat mittlerweile stellenweise eine Breite von 4 Metern und eine Tiefe von 2 Metern. Die Kröten, die im Frühling zu Tausenden von den Winterquartieren, den Erdlöchern in der Wiese über den Bach zum angrenzenden Teich gewandert sind um sich dort zu Paaren, die sind Geschichte. Wenn sie es von den Erdlöchern zum Bach schaffen, plumpsen sie hinein und sind damit gefangen und dem Tod preisgegeben. Die Wände der Ufer sind zu steil. Frösche kann man nicht zu Geld machen, sie sind bei uns keine Nutztiere, sie sind in den Augen so vieler “nutzlos”.

Wer füllt die zu Cannyons verkommenen riesigen Bachbette wieder auf? Wer verhindert die Hochwasserbildung? Wer stoppt endlich die Erosion von Erde?

Es gab doch beim Wald die Regelung in der Steiermark: Wenn 1 ha Wald gerodet wird, muss irgendwo 1 ha wieder aufgeforstet werden. Warum also auch nicht beim Boden: Wenn ein m² Boden versiegelt wird, muss irgendwo ein m² Versiegelung rückgebaut werden, das heißt zB durch Rückbauen von unzähligen parallel geführten Straßen, verschmälerung von Straßen, durch Rückbauen von Gehsteigen und Radwegen und Parkplätzen zu wasserdurchlässigen Split oder Steinoberflächen oder durch Abtragen von zu verfallen drohenden Häusern oder Gewerbebetrieben.

Ach ja und noch etwas: So wie der Wald für jedermann zugänglich sein muss, sollte auch jeder Bach und jeder See für jedermann zugänglich sein. Ein Uferstreifen von 2 bis 15 Metern, je nach Größe des Gewässers, sollte verstaatlicht, ja richtig gehört “der Öffentlichkeit einverleibt” werden um jedermann Zugang zu gewähren und um den Flüssen wieder mehr Raum zu geben um aus den Ufern zu treten und das mitgeführte Erdreich wieder abzulagern. Dem ständigen Diktat des freie Marktes müssen wir langsam beginnen entschlossen entgegentreten, wenn wir unseren Planeten nicht aufgeben wollen.

Manchmal denke ich mir wirklich, warum noch kein krankes Gehirn versucht hat die Luft zu privatisieren. Ich will´s nicht verschreien….