ZisserF

Nur Visionen bringen die Menschen voran.

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Bildungsgezeter

Erstellt von ZisserF am Donnerstag 22. Dezember 2011

Aus einer jüngsten Studie des Alpenländischen Kreditoren Verbandes (AKV) geht hervor, dass in Österreich die Schuldner immer jünger werden. Immer mehr Menschen unter 25 Jahren, nehmen sich Geld von Kreditinstituten oder Maklern auf, um etwas zu kaufen oder bestellen Waren und Dienstleistungen ohne gleich zu bezahlen. Sie machen Schulden, die sie in der Folge immer schwerer zurückzahlen können. Schulden machen ist immer teuer, denn es kommen zum Schuldbetrag ja die Zinsen, Zinseszinsen, Provisionen und Gebühren vielfältigster Art dazu. Der private Schuldenberg, wenn er nicht oder zu wenig abgebaut wird, wächst immer schneller an, sodass das Zurückzahlen der Forderungen immer noch schwieriger wird, bis die Menschen trotz Verkauf und Verpfändung des gesamten Hab und Gutes unfähig sind, die Zahlungen zu bedienen. Konnten bis vor Jahren nur Unternehmen ein Konkursverfahren bei Gericht beantragen (Konkurs bedeutet Zahlungsunfähigkeit), so gibt es diese Möglichkeit nun auch für private Bürger. Im Privatkonkursverfahren werden Möglichkeiten gesucht, zumindest einen Teil der Schulden über Jahre hinweg zu begleichen. Die betroffene Person muss oft auf viele Jahre hinaus am Existenzminimum leben. Ein hartes Los oder das dicke Ende von, ach so leicht über die Lippen der Werbeträger kommenden Sprüchen wie “Kauf jetzt, zahl später” oder “Lebe jetzt, zahlen kannst du später” (Anm: vor Jahrzehnten, da hieß es in der Werbung noch “Anna, den Kredit hamma”).

Die gigangischen Werbebudgets der Unternehmen schrauben die Hemmschwelle für das Schuldenmachen immer weiter nach unten. Neue Kundenschichten werden so angezapft. Galt es vor 1 bis 2 Generationen noch fast als beschämend, Schulden zu haben, so muss mann sich heutzutage schon fast rechtfertigen, sich nicht alles zu Leisten, wenn man keine Schulden machen möchte. In Zeiten hoher Zinsen für Sparer und niedriger Zinsen für Kreditnehmer, war es ja auch einfacher mit dem Geld allein Geld zu verdienen. In den Börseboomjahren Anfang der Neunziger Jahre war es Mode, sein Erspartes nicht als Sparbuch auf die Bank zu legen. Es mussten zumindest Fonds sein. Die Elite unter den Bürgern ging gleich aufs Ganze und investierte das hart verdiente in Aktien. Das Risiko schien nicht vorhanden zu sein. Und viele Private erlitten eine ordentliche Bruchlandung nach dem Börsencrash. Aus dieser Zeit des Aufbruchs jedes Einzelnen, hin zum Mini Börsenhai, kommt der saloppe Umhang vieler mit dem Thema “Leben auf Pump”. Er ist nicht mehr verpönt, sondern gehört zum Way of Life. Diese “Verniedlichung” ist fatal und an jedem einzelnen Fall von Privatkonkurs dokumentiert. Auch die Großen Anleger haben Lehrgelder gezahlt, aber nicht nur bei den Schulden. Eine Oststeirische Stadt hatte bis Anfang der Nullerjahre dieses Jahrhunderts, die Haftung für die, von ortsansässigen Unternehmen vor mehr als 100 Jahren gegründete Bank inne. Brav unterstützte die Bank als Gegenleistung die Stadt jährlich mit keinen kleinen Beträgen, und war aktiver Player im Vereinsleben und der so hoch gepriesenen regionalen Wirtschaft. Angesichts der verlockenden Erträge, die damals die Börsen in der Tat boten, entschieden sich die Stadtväter diese Haftung zu verkaufen und statt der jährlichen Zuwendungen der Bank nun die Zinsgewinne des angelegten Erlöses zu bekommen. Es kam ganz anders. Nach dem nächsten Börseneinbruch rasselten die Kurse in den Keller und aus der vermeintlichen ergiebigen Quelle der Zinserträge aus der Veranlagung, wurde ein massiver Verlust des Kapitals selbst. In ein paar Jahren ist es geschafft, das Kapital ist weg und die Bank ja sowieso. Übrig bleiben Infrastrukturinvestitionen. Ob sie notwendige Einnahmen für die Kommune bringen ist zu hoffen.

Die Schuldner werden immer jünger, sagt die AKV. Unkreative Nachahmer aus dem Bereich Wirtschaft und Bildung krächzen immer wieder von den Bäumen, man solle die Studierenden doch zur Kasse bitten um das Bildungssystem finanziell zu stärken. Man verdeutliche sich das einmal. Man soll die Schüler für ihre eigene Ausbildung zahlen lassen. Als ob nicht seit jeher die Eltern und die Gesellschaft das erste Interesse an einer guten Ausbildung ihrer Schützlinge haben müssten. Ein Schüler ist in Ausbildung. Er ist ein Lernender. Traurig genug, wenn diese Ausbildung für immer mehr Menschen nur möglich ist, wenn selbst neben dem Studium auch noch gearbeitet wird, um finanziell über die Runden zu kommen: Wer sagt, dass das Studieren mit Teilzeitjob besser und schneller geht, als das ohne, dem unterstelle ich Realitätsverweigerung (Jobs im unmittelbaren Zusammenhang von Ausbildungssituationen ausgenommen). Diese Geister auf den Bäumen rufen nun lauthals, man möge doch die Studierenden dazu zwingen einen Kredit aufzunehmen um zu studieren. Nach abgeschlossenem Studium, solle dieser Kredit dann zurückgezahlt werden. Es klingt in unserer “Leben auf Pump” Gesellschaft total trendy und normal. Zudem braucht es keine Kreativität um darauf zu kommen. Im angelsächsischen Bereich gibt es diese Modelle bereits seit Jahren. Für mich ist das  Zynismus pur. Wir zwingen unsere Kinder schon vor dem Berufseinstieg, sich der unbarmherzigen Finanzwelt zu unterwerfen. Wir nehmen ihnen die Entscheidung ab, ohne Schulden ins Leben zu starten, wir zwingen sie sogar dazu auf ihre Zukunft eine Hypothek aufzunehmen. Ich stelle mir vor, dass die Kredite dann durch den nächsten Börsencrash plötzlich um das vielfache teurer und auf Jahre hinaus zur finanziellen Belastung werden. Was ist mit den Studierenden, die sich entscheiden ein Studium abzubrechen um doch einen Maturantenjob oder eine Lehre zu beginnen. Steht bei ihnen dann statt heiraten, hausbauen oder Wohnung kaufen und Kinder kriegen das Schulden zurückzahlen auf dem Tablett (man darf durchaus auch einmal zu drastischen Darstellungsformen greifen um das Problem zu verdeutlichen).

Ich möchte für meine Kinder eine optimale Ausbildung ermöglichen mit möglichst wenigen Störfaktoren. Wenn ich Akademiker wäre (ich bin es nicht) und einen entsprechend dotierten Job hätte, dann könnte ich mir vorstellen eine Art Patenschaft für Studierende zu übernehmen und damit das Bildungssystem zu unterstützen aber eben nicht auf Pump, sondern de facto, wenn das Geld aufgrund meiner eigenen guten Ausbildung nun von mir verdient werden kann. Das wäre zumindest legitim. Hier ist Kreativität gefrgt. Ob es Klug ist, die Gesamtverantwortung des Staates für das Bildungssystem auf einzelne Berufsgruppen aufzuteilen und auszugliedern, das ist eine andere Frage.

Fast alle Problemstellungen unserer Gesellschaft können durch gute Ausbildung der Bevölkerung positiv beeinflusst werden. Wissen und Bildung sind die besten Werkzeuge für eine gesunde Gesellschaft und eine gesunde Welt. Gute Bildung ist Schutzschild vor populistischen Verführungsversuchen, vor verdeckten Attaken auf Mensch, Natur und Gesellschaft und die beste Ergänzung zum gesunden Hausverstand. Mein klares Resume daher: Die Anforderungen der Zukunft können nur durch massive Investitionen in die Bildung gemeistert werden. Diese Investitionen sind in erster Linie Aufgabe des Staates. Verbesserungen auch in Richtung mehr Effizienz bei geringeren Kosten im Bildungssystem, sind unabdingbarer Bestandteil dieser Investitionen. Bildung und Kreativität sind die wenigen wirklich nachhaltigen Einflussfaktoren auf eine Gesellschaft (Marianne Gronemeyer). Bildungsvermittlung ist Grundaufgabe des Staates, ohne wenn und aber. Bildung und Studium muss positiv besetzt bleiben. Wir müssen dankbar über jeden Studierenden sein, der bereit ist Lebenszeit in seine Ausbildung zu stecken. Das dauernde Gezeter um Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen in der Öffentlichkeit muss ein Ende haben. Wir brauchen den Aufbruch in eine optimistische breit getragene Bildungszukunft mit offenen Armen für die Ausbildungswilligen.