ZisserF

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Frivole Gedanken

Erstellt von ZisserF am Mittwoch 19. Oktober 2011

Machen Sie mit mir ein Gedankenspiel zum Thema Geld? Es begann alles mit dem Tauschen. Franz hatte ein Huhn und Sepp hatte getrocknete Früchte. Wenn Franz Lust auf Huhn hatte aß er eines. Hatte er Lust auf getrocknete Früchte, ging er zu Sepp und bot ihm ein Huhn und bekam dafür einen Korb getrockneter Früchte zum Essen und Sepp hatte zur Abwechslung mal ein Huhn. Wenn am Ende des Winters die getrockneten Früchte knapp wurden, ging Sepp zu Franz um sich ein Huhn zu borgen und um nicht zu verhungern. Für dieses Huhn bekam Franz dann nach der ersten Ernte wieder einen Korb mit Früchten. Zinsen hat es in diesem System keine gegeben. Wenn die Früchte schon sehr alt waren und manche zu schimmeln begannen, dann wurde aus dem vollen Korb nur ein zu ¾ verwertbarer Korbinhalt (eigentlich negative Zinsen).
Irgendwann wurde es den beiden Franz und Sepp aber zu kompliziert. Sie brauchten ja auch Felle, Schuhe, ein Steinmesser, Schwammerl, Rinde und vieles mehr. Das Handeln wurde immer komplizierter. Irgendwann einigte sich die Gruppe in der die beiden lebten vereinfacht darauf, jedem Ding einen Wert in Form von Münzen zuzuordnen. Die Münzen waren aus Edelmetallen und entsprachen im Wert den Materialien, für die sie getauscht wurden. Dies war zur Sicherheit notwendig. Irgendwann war die Menge der benötigten Münzen zu groß, sodass dieser Gegenwert der Münzen in Schatztruhen lagerte und anstatt dessen Papierscheine, unser heutiges Geld gedruckt wurden. Verwalter all dieser Vorgänge waren die Herrscher der Gruppe, die Hüter des Geldes, was den Vorläufern der heutigen Staaten entspricht.
Dann hatte Franz eine Idee. Sepp war wieder einmal am Ende des Monats das Geld ausgegangen (Früchte) und er kam zu Franz um sich welches zu borgen (ein Huhn). Franz gab ihm Geld. Als Sepp wieder Geld hatte gab er es zurück, doch Franz wollte dafür, dass er das Geld (Huhn) hergeborgt hatte um einen Geldschein mehr haben (mehr Früchte). Sepp blieb nichts anderes übrig als ihm dieses Geld zu geben. Nun musste er allerdings mehr Geld hereinbringen, mehr Früchte produzieren als vorher, um in knappen Zeiten sich Geld (ein Huhn) borgen zu können. Umgekehrt gefiel Franz dieses Spiel sehr gut, bekam er doch so immer wieder mehr Geld (Früchte) als es dem Gegenwert seines Geldes (Huhns) entsprach. Er musste für diese Mehreinnahmen nicht im Hühnerstall schuften, er hatte, bis auf das wenig Buchhaltung, keinen Aufwand dafür und bekam aber zusätzlich Geld.
Irgendwann hörte Franz vollkommen auf Hühner zu produzieren und er lebte nur mehr von den Einnahmen der Zinsen, so hatte er das zusätzliche Geld von Sepp genannt. Und dann machten es ihm viele nach. Er traf sich mit diesen Menschen auf eigenen Handelsplätzen, die sie Börsen nannten und wo dann den ganzen Tag nur mit Zinsen gehandelt wurde. Dann begannen die Börsianer Zinsforderungen an andere zu verleihen die dafür wieder Zinsen forderten. Schließlich begannen sie Wetten darauf abzuschließen, ob dieser und jener zu einem x-beliebigen Zeitpunkt seine Zinsen zurückzahlen könne oder nicht. Es war eine wahre Goldgrube.
Die Börsianer brauchten für ihre Geschäfte Unmengen von Geldscheinen. Irgendwann sahen die Hüter des Geldes, dass der Gegenwert in den Schatztruhen nicht mehr dem Wert der Scheine entsprach und sie borgten sich auf den Börsen Geld dafür um das Geld, dass die Börsen brauchten auch als Gegenwert sicherzustellen. Dann mussten die Hüter des Geldes bei einer Prüfung feststellen, dass es von 100 Geldscheinen nur mehr für 10 einen tatsächlichen Gegenwert beim Tauschen in Form von Hühnern und Früchten gab. Die restlichen 90 Scheine wurden nur dazu verwendet um Zinsgelder, Forderungen und andere Geldgeschäfte abzuwickeln. Dafür war das Geld ja eigentlich anfänglich nicht eingeführt worden.
Um Schulen, Wachtmeister und Straßen bezahlen zu können, hatten die Hüter des Geldes (Staat) große Mengen an Geld von den Börsen ausborgen müssen. Die Münzen in der Schatzkiste hatten schon längst nicht gereicht um zu jedem Geldschein einen Gegenwert zu haben. Auch Häuser und anderes Vermögen des Staates waren dafür schon zu wenig.
Da den Leuten an den Börsen die Geschäftsideen ausgingen, kamen sie auf etwas Neues. Sie begannen zu den Hütern zu gehen und sie unter Druck zu setzen und die geborgten Gelder zurückzuverlangen und die Zinsen dafür nach oben zu treiben bis die Hüter selbst in Geldnot kamen und die Forderungen nicht mehr bedienen konnten. Das Geld, für das es keinen realen Gegenwert gibt (kein Huhn und keine Früchte), das an den Börsen hin und her geschoben wird mit Zinsen und Aufschlägen, dieses Geld, das ja dem Staat gehört, er hat es ja gedruckt als Gegenwert zu den Waren (Huhn und Früchte), wird von Franz und seinen Kumpanen von den Hütern des Geldes zurückverlangt. Hier endet mein Gedankenexperiment. Wie könnten die Hüter des Geldes reagieren.

Die Hüter könnten noch mehr Geld drucken, auch ohne Gegenwert. Das würde nur sehr kurzfristig eine Atempause bringen, den Börsensektor aber noch stärker und reicher machen.

Sie könnten eingreifen, indem sie die Zinsen festlegen. Damit könnte das Börsengeschäft kontrollierbar gemacht werden. Wucherzinsen wären damit verhindert und der Staat könnte die Börsengeschäfte steuern.

Sie könnten dann den aufgeblasenen Teil der Börsengeschäfte (Wetten und andere dubiose Geschäftsmodelle) hoch mit Steuern belegen, so hoch, dass diese Geschäfte uninteressant würden. Manche der Hüter könnten sich vorstellen diese Art der Geschäfte zu verbieten.

Sie könnten die Zahl der Geldgeschäfte, denen kein realer Wert gegenübersteht (kein Huhn und keine Früchte) im Volumen begrenzen um mittelfristig die 90 Scheinen die ohne realen Gegenwert gehandelt werden stark zu reduzieren.

Sie könnten aufhören, sich Geld für ihre Hausaufgaben von den Börsen zu borgen sondern im Wesentlichen das ausgeben, was sie zur Verfügung haben. In Notzeiten könnten sie kurzfristig einfach mehr Geld drucken, dass bei guter Wirtschaftsentwicklung ja auch Steuern bringt und damit in der Schatzkiste den Gegenwert der zuvor gedruckten Scheine nachträglich absichert.

Sie könnten aber auch die Flagge streichen und den Börsianern die Macht überlassen. Die würden dann wahrscheinlich zu den Bürgern gehen und von ihnen ihre geforderten Zinsen und Zahlungen eintreiben. Bald würden sie auf diesem Weg alle Werte der Bürger verpfändet haben und somit alle Werte verstaatlichen. Es entstünde ein neuer Staat. Dem Bürger gehört kein Eigentum mehr. Den Börsianern gehört alles. Hatten wir so etwas nicht schon einmal.

Danke für´s Mitdenken.